Graveltour mit Zelt im März 2022

Nach längerer Zeit melde ich mich zurück mit meinem Bericht zu meiner Graveltour, die ich an einem verlängerten Märzwochenende gefahren habe kurz nachdem ich den letzten Artikel auf diesem Blog geschrieben habe. Ich habe damals alles in einem Tagebuch notiert, so dass es mir leicht fällt das Ganze hier noch einmal ordentlich aufzuschreiben.

Der „Plan“ und die Vorbereitungen

Ich wollte mir ein Bikepacking-Setup zulegen und das ganze im Rahmen eines Overnighters (also eine Radtour mit einer Übernachtung) ausprobieren. Einen Termin für den Overnighter hatte ich einen Monat vorher schon ins Aug gefasst: Vom Freitag den 18.3.22 bis Samstag den 19.3.22 wollte ich aus Hannover rausfahren, um irgendwo auf einem privaten Zeltplatz zu übernachten. Der Hauptgrund, dass es nur ein Overnighter war der, dass ich am Samstag Abend in Hannover eine Verabredung mit Freunden hatte. Als Zeltplatz habe ich mir auf mycabin.eu einen schönen Platz bei einem Bauern auf einer Waldlichtung in Sandlingen bei Celle gebucht.

Mit provisorischen improvisierten Taschen für mein Canyon GRIZL habe ich mich nicht lange befasst. Ich wollte schnell ein komplettes Setup, da ich jetzt schon so überzeugt davon war, dass ich es öfter nutzen würde. Ich habe mir innerhalb kürzester Zeit ein leichtes kleines 1-Personen-Zelt, einen neuen Schlafsack, eine Isomatte, Kochutensilien und diverses anderes Zubehör zugelegt. Um das Ganze zu verstauen habe ich mir von Restrap eine große Satteltasche, eine Rahmentasche, eine Lenkertasche mit Dry-Bag und von Canyon Gepäckträger für die Gabel mit Dry-Bags besorgt.

Je näher es auf den Termin zuging desto mehr zeichnete sich ab, dass es Mitte März nachts doch nicht so warm sein werden würde, wie ich gehofft hatte, aber ich war fest entschlossen. Die Verabredung mit meinen Freunden am Samstagabend wurde ebenfalls abgesagt, worüber ich doch sehr froh war, denn so konnte ich das ganze Wochenende verplanen.

Auf mycabin.eu und 1nitetent.com habe ich geschaut wo man aus Celle noch weiterfahren könnte. Dabei habe ich mir immer einen Radius von bis zu 80 km zugetraut. Als ich gesehen habe, dass es einen Zeltplatz in der Nähe von Uelzen gibt, den ich auch bekommen haben, zeichnete sich jetzt erst die komplette Tour ab: Ich würde in der ersten Nacht in der Nähe von Celle übernachten, in der nächsten Nacht in der Nähe von Uelzen und schließlich am letzten Tag nach Hamburg-Harburg fahren, woich noch einem alten Kumpel einen Besuch abstatte, bevor ich dann mit dem Zug wieder nach Hannover fahre.

Der Vorteil bei dieser Streckenführung war, dass ich es nach jeder Etappe nicht weit zum nächsten Bahnhof habe, falls es doch nachts zu kalt wird oder ich Probleme mit dem neuen Fahrrad habe. Ich hatte einen großen Plan für das Wochenende, wollte aber von Tag zu Tag gucken, wie es sich anfühlt und ob es noch weiter gehen kann.

Tag 1 – Von Hannover nach Sandlingen (Celle) – 51 km

Am Freitag um acht Uhr morgens habe ich angefangen meine Sachen zu packen. Ich hatte eine Liste in meinem Notizbuch, die ich abgearbeitet und alles so gut es ging auf die Taschen verteilt. Dabei habe ich gemerkt, dass nicht alles passt und so habe ich die Regenkleidung – es sollte nicht regnen an dem Wochenende – zu Hause gelassen, sowie einige Nahrungsmittel.

Mit Packen war ich bis 12 beschäftigt, habe nochmal Mittag gegessen und die Taschen nach unten getragen und an meinem Gravelbike am Lenker, an der Gabel, am Rahmen und an der Sattelstütze befestigt. Ich bin bisher nur nur mit klassischen Packtaschen an meinem Trekkingbike verreist und so sah das Ganze für mich schon ziemlich abenteuerlich aus und ich habe mir einige Sorgen gemacht, ob das alles auch so hält. Außerdem ist die Befestigung der Taschen aufwendiger, als einfach nur Packtaschen an einen Gepäckträger zu hängen.

So konnte ich erst um 14 Uhr los fahren, ich würde erst zum Sonnenuntergang ankommen. Etwas unsicher bin ich auf dem Fahrrad mit der Beladung durch Hannover gefahren. Als ich in der Eilenriede, dem Stadtwald Hannovers war, habe ich mich etwas sicherer gefühlt, wobei zwei berittene Polizisten meinen Weg gekreuzt haben, die jedoch keine Notiz von mir und meinem Gefährt genommen haben.

Aus Hannover raus führte mich meine Route ziemlich schnell auch über Single Trails im Wald und ich habe gemerkt, wie agil ich doch mit meinem leichten Rad und der kompakten Beladung bin. Ich konnte das Rad sogar über leicht über einige umgestürzte Baumstämme heben, bis es irgendwann kein Durchkommen gab und ich einen kleinen Umweg nehmen musste. Interessant zu fahren, aber die ersten 20 km haben mir zu lange gedauert.

Am Ende konnte ich aber noch eine andere Stärke meines Setups auspielen, denn auf den Rennrad-tauglichen Wegen auf der 2. Hälfte der Strecke war ich schnell unterwegs. So habe ich es noch mit den letzten Sonnenstrahlen in das kleine Dorf Sandlingen geschafft.

Meinen Gastwirt Torben habe ich dann auch schnell aufgefunden, so dass ich mein Zelt noch vor Einbruch der kompletten Dunkelheit aufbauen konnte. Neben mir war noch eine Familie mit Wohnmobil auf der Waldlichtung. Der Vater hatte mir schon einen geeigneten Zeltplatz gezeigt, mich aber auch darauf hingewiesen, dass nachts Wildschweine in der Nähe sind.

Abendessen

Ich habe meine Lagerkleidung bestehend aus langer Unterhose, warmen Unterhemd, Trekkinghose, langärmligen Funktionsshirt und einer warmen Jacke mit kleinem Packmass angezogen und auf meinem Gaskocher Tee und ein Reisfertiggericht gekocht. Nach dem Essen bin ich mit Mütze auf dem Kopf und Buff um den Hals in meinen Schlafsack gekrochen. Ich glaube irgendwann noch entfernt Wildschweinze grunzen gehört zu haben, bis ich eingeschlafen. bin. Ich bin noch einige Male wach geworden, die Temperatur war auf 1 Grad runtergegangen, mein Schlafsack, die Isomatte und meine Klamotten haben mich jedoch noch einigermassen warm gehalten.

Tag 2 – Sandlingen (Celle) – Vinstedt (Uelzen) – 72 km

Am Samstag morgen habe ich mir mit meiner Camping French Press einen Kaffee gekocht. Ich wollte am Intervallfasten festhalten, so dass ich erstmal nichts gegessen habe, was sich nachher noch als Fehler herausstellen sollte. Zwei Stunden habe ich gebraucht um meine Sachen zusammen zu packen und an meinem Rad zu befestigen. Dann ging es wieder los.

Auf der Strecke hatte ich mit den Böen des Nordostwindes der mir entgegen kam zu kämpfen. Von Eschede ging eine 21 km gerade Strecke die B191 entlang durch die Südheide nach Uelzen, immer wieder bergauf und bergab bei kaltem Wind. Das war schon sehr ermüdend und verzweifelnd. In Uelzen angekommen war ich dazu noch etwas unterzuckert. Ich habe mich erstmal hingesetzt und fast eine ganze Packung Studentenfutter gegessen. Kurz vor Vinstedt bin ich vor einem Anstieg sogar vom Fahrrad abgestiegen und habe es den Berg hochgeschoben.

Ich war froh, dass mein Gastgeber Mario mich vor seinem Haus in dem kleinen Ort Vinstedt gleich empfangen hat. Er hat mir alles für mich wichtige gezeigt und mich seiner Frau Lisa vorgestellt. Beide waren sehr gastfreundlich. Ich konnte auf einem Platz im Garten mein Zelt aufschlagen und im Haus das erste Mal auf der Tour duschen und eine richtige Toilette benutzen. Die beiden haben mir zwar angeboten mich dann drinnen etwas aufzuwärmen, aber unter der Dusche war mir irgendwie so warm geworden, dass ich wieder raus wollte.

Ich hatte eigentlich mit dem Gedanken gespielt mir eine Pizza über Lieferando zu bestellen, doch der Mindestbestellwert war in dem kleinen Ort einfach zu hoch. Ich habe mir dann wieder Tee und ein Reisgericht gemacht. Zudem hatte ich von Mario und Lisa eine Banane und einen Apfel bekommen. Beim Essen konnte ich kaum sitzen, soviel Muskelkater hatte ich jetzt schon besonders in den Leisten. Das gute war jedoch war dass ich keine Sitzschmerzen hatte.

In der Nacht war es auf dem freien Gelände ziemlich windig und die Temperaturen gingen runter auf -1 Grad, so dass ich gefroren habe und oft wach war. Auch weil ich körperlich so fertig war habe ich wirklich daran gezweifelt, ob ich den nächsten Tag nach Hamburg fahre, oder ob ich in Uelzen in den Zug nach Hannover steige.

Tag 3 – Vinstedt (Uelzen) – Hamburg-Harburg – 71 km

Sonntags morgens war ich immer noch am zweifeln, ob ich weiter fahre. Als ich aufgestanden bin war es noch dunkel. Als dann die Sonne aufging, habe ich mich jedoch schlagartig besser gefühlt und den Entschluss gefasst wenigstens noch zu meinem Kumpel Frank nach Stelle bei Hamburg zu fahren. In den Zug steigen könnte ich dort ja immer noch. Nach ein paar Bechern Kaffee habe ich meine Sachen zusammengepackt, habe mich von Mario und Lisa verabschiedet, nachdem ich mit ihnen frühstücken durfte und bin dann los.

Das Radfahren ging heute sehr gut mit Wind im Rücken und größtenteils Gefälle. Die ersten 20 km hatte ich schnell hinter mir und nach 2 1/2 Stunden inklusive Pausen sogar 40 km geschafft. Mit einer unerwarteten Leichtigkeit bin ich somit bei Frank und seiner Familie in Stelle angekommen.

Es war schön Frank, den ich aus dem Studium kenne, wieder zu sehen und seine Familie kennen zu lernen. Es gab alkoholfreies Bier am Tresen in der Scheune am Haus und Kekse und Apfelschorle auf der Terasse. Frank ist selber begeisterter Rennrad- und Mountainbike-Fahrer und hat mir auch seine Räder gezeigt. Schliesslich hat er mich mich motiviert auch das letzte Stück nach Hamburg-Harburg weiter zu fahren und hat mir die Strecke erklärt.

Die Strecke war schön und schnell zu befahren. Ich muss jedoch etwas anders gefahren sein, als er es mir erklärt hat, den ich bin hunderte Meter ohne Licht durch den dunklen Kuhtunnel (Frank hat ihn später Rattentunnel genannt) unter die Bahngleise hindurch gefahren. Das war schon etwas unheimlich.

In Hamburg-Harburg angekommen konnte ich dann ohne Probleme in einen Regionalzug nach Hannover mit ausreichend Platz für mein Fahrrad steigen und bin gut nach Hause gekommen

Fazit

Die Tour war herausfordernd und hat mich an meine Grenzen gebracht, aber ich hatte auch sehr viel Spaß dabei und ich bin stolz darauf sagen zu können, dass ich mit dem Rad und Zelt von Hannover nach Hamburg gefahren bin. So etwas habe ich noch nie gemacht. Ich möchte noch viele weitere solcher Touren machen, denn ich habe großen gefallen an dieser Art der Reise gefunden. Was ich anders machen würde ist definitiv mehr zu essen besonders vor dem Losfahren, damit ich nicht wieder zwischendurch schlapp mache.

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