Mein Weg zum Minimalismus? – Logbuch #1

Seit Anfang des Jahres habe ich inspiriert durch die Nachhaltigkeit-Website utopia.de unter anderem viel mit dem Thema Minimalismus beschäftigt und war auf gewisse Weise schnell begeistert von diesem Thema. Das beschriebene Gefühl von Freiheit durch gründliches Ausmisten von seinem Besitztümern, in der Folge auch weniger zu kaufen und stattdessen lieber zu leihen oder zumindest gebraucht zu kaufen konnte ich mir sofort sehr gut vorstellen.

Bis jetzt war ich einer der Menschen, die Angst davor haben auf etwas verzichten zu müssen, wenn sie nicht oft impulsgetrieben ihre Spontankäufe insbesondere über das Internet machen. Das ging bei mir auch immer gut ins Geld und das stand dann wieder anderen Zielen, z.B. in den Urlaub zu fahren im Wege. In meinen ersten Berufsjahren kurz nach dem Studium war es bei mir sogar so schlimm, dass ich mich hoch verschuldet habe.

Mittlerweile geht es mir wieder einigermaßen gut, doch ich möchte einerseits etwas mehr von meinem Geld für meinen Ruhestand zurück legen, jedoch andererseits bei der Arbeit mittelfristig etwas kürzer treten um mehr Zeit für Familie, Freunde und Hobbies zu haben. Dabei scheint für mich der Minimalismus ein aussichtsreicher Weg um diese für viele widersprüchlich erscheinenden Ziele zu verwirklichen.

Doch Minimalismus, für die, die das noch nicht kennen, was ist damit überhaupt gemeint? Im Prinzip bedeutet es mit weniger Ballast zu leben, wie es bei Christof Herrmann heißt. Das heißt vor allem, dass man die Dinge in seinem Besitz auf das was einem wichtig ist reduziert und bei Neuanschaffungen sich genau überlegt, ob man sich den Gegenstand überhaupt leisten kann, ob er einen Wert zum eigenen Leben hinzufügt, ob es irgendwelche Alternativen, wie z. B. zum Leihen gibt, oder ob man nicht auch ohne den Gegenstand auskommt (siehe hier)

Ein „Ausmisten“ kann je nach persönlicher Situation und Vorlieben auch bei halbherzig verfolgten Hobbies oder schädlichen Beziehungen oder anderen persönlichen Verpflichtungen erfolgen, die mehr schaden als nutzen. Auf diese Weise bekommt man mehr Zeit und Geld sich um die Dinge zu kümmern, die einem wirklich wichtig sind und sich selbst und seinem Umfeld gut tun.

Soweit so gut, aber was habe ich bis jetzt daraus gemacht? So unheimlich viele Sachen habe ich schon vorher nicht besessen, kein Haus, kein Auto und bis vor kurzem habe ich noch in einer 38 qm-Wohnung gelebt. Als ich Anfang letzten Jahres zu meiner Freundin gezogen bin, habe ich noch nicht gleich ans Ausmisten gedacht, sondern erstmal meine Möbel und diverse gefüllte Umzugskartons mit Büchern, Zeitschriften, CDs und DVDs und vielen Haushaltsgegenständen in den Keller verfrachtet. Der Keller war gnadenlos überfüllt. In die Wohnung gekommen sind Sachen, die mir wichtig waren, allen vorran meine Schallplattensammlung, aber auch viel eigentlich ungenutzter Kleinkram, der irgendwo verstaut werden musste. Die gemeinsamen 60 qm platzten also gleich aus allen Nähten.

Als eines der ersten Bücher zum Thema Ausmisten habe ich „Magic Cleaning“ von Marie Kondo gelesen und so habe ich im Frühjahr erstmal angefangen Kleidung zu sortieren. Ich habe mich von vielen Sachen getrennt, die ich gar nicht mehr trage und so sind einige Altkleidersäcke zusammen gekommen. Aber mir ist dabei auch klar geworden, dass ich schon einige Zeit brauchen würde um durch alle Kategorien von Gegenständen zu gehen, die Marie Kondo beschreibt.

So habe ich mich stattdessen dem dringendsten Thema gewidmet: Dem überfüllten Keller. Der Großteil des Platzes war durch meine alten Möbel belegt. Als ich die damals dort untergebracht hatte, war ich überzeugt davon, dass wir sie wieder gebrauchen könnten, sobald wir in eine größere Wohnung umziehen. Doch teilweise waren die Möbel schon beschädigt und meine Freundin hatte bereits signalisiert, dass ihr der Stil sowieso nicht gefallen würde. Somit habe ich zwar noch erfolglos versucht die Möbel mit überschaubarem Aufwand zu spenden, aber letztendlich habe ich sie als Sperrmüll abholen lassen.

Zur gleichen Zeit habe ich die zwei Umzugskartons mit CDs aus dem Keller zum Rockers, einem Plattenladen hier in Linden gebracht und noch etwas Geld dafür bekommen. Seit ich Vinyl sammle und dazu noch ein Spotify-Abo habe, habe ich die CDs gar nicht mehr gehört. Genauso habe ich von meiner DVD-Sammlung nur noch meine wichtigsten behalten und den Rest an Limmer60 einem Laden auf der Limmerstraße verkauft. Desweiteren gingen zwei alte Fahrräder aus dem Keller als Spende an eine gemeinnützige Werkstatt.

Es war schon ein sehr befreiendes Gefühl nicht mehr so viel Unordnung im Keller zu haben. Viele ungenutzte Sachen waren weg, um die wir uns beim nächsten Umzug nicht mehr kümmern müssen.

Vor einigen Tagen habe ich in der Wohnung weitergemacht. Dabei habe ich mir ein großes Regal, in dem auch meine Platten stehen, vorgenommen und die Dinge auf drei Stapel verteilt:

  • Das ist mir wichtig
  • Das ist unwichtig und gehört in den Müll
  • Das ist für mich nicht mehr wichtig, aber noch so gut, dass es zu schade ist wegzuschmeißen und stattdessen verschenkt oder verkauft werden kann

Das wichtige, das ich auf jeden Fall behalten wollte, habe ich wieder einsortiert, habe jetzt aber statt acht Regalfächern gleich zwölf für meine Platten, so dass ich ein paar mit schönen Covern dekorativ in den freien Fächern ausstellen kann. Was wegzuschmeissen war, habe ich kurzerhand weggeworfen. Um Sachen zu verschenken gibt ist schließlich die insbesondere hier in Linden sehr beliebt Methode Dinge, die man nicht mehr braucht, für andere Menschen an einem trockenen Tag an die Straße zu stellen. Auf diese Weise war innerhalb von zwei Tagen alles mitgenommen. Noch ein Wort zum Verkaufen: Dies lohnt sich vom Aufwand her wirklich nur bei besonders wertvollen Gegenständen oder wenn man auf das Geld wirklich angewiesen ist.

Zwar habe ich noch zwei Kisten mit Kabeln und Elektronik aus dem Regal übrig behalten, die noch aussortiert werden müssen. Doch ein großer Teil ist weg, so dass die verbliebenen Teile übersichtlich an ihrem festen Platz sind. Es wird noch etwas dauern, bis ich einmal durch alle meine Sachen durch bin. Ich bin aber jetzt schon über jedes Teil glücklich, das ich los geworden bin.

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